Von Tucans, Faultieren und anderen diebischen Tieren

Erleichterung macht sich breit, als wir die Grenze zu Costa Rica überqueren. Wie immer läuft alles problemlos. Das Mittagessen ist dann leider aufgrund des nicht vorhandenen Angebots weniger toll. Oli stopft etwa vier Madeleine Küchlein in sich rein, erstickt fast daran und ist für einmal etwas unzufrieden. Die Weiterfahrt nach La Cruz ist aufgrund der prallen Sonne und des Aufstiegs schweisstreibend und Olis schmerzendes Knie (nun schon seit mehreren Tagen) macht es umso mühsamer. In La Cruz hatten wir uns eigentlich schon für eine Unterkunft entschieden. Nachdem wir 15 Minuten alleine an der Rezeption stehen, entscheiden wir, im Hotel nebenan abzusteigen. Wir staunen nicht schlecht, als die nette Dame an der Rezeption satte 50 USD (!) von uns verlangt. Willkommen in Costa Rica. Die Aussicht von der Gartenterrasse ist dafür herrlich: Ein weiter Blick auf die grüne Landschaft und die Pazifikbucht. Wir schlendern durch die Kleinstadt, essen und gehen dann ins Bett.

Am nächsten Tag geht es direkt vom Bett auf den Drahtesel – die Route startet mit einer Abfahrt. Was gibt es besseres zum Frühstück? Wir geniessen die abwechslungsreiche Fahrt nach Liberia durch den Parque Nacional Guanacaste und am Nationalpark Rincon de la Vieja vorbei. In Liberia schlafen wir im Hostel Green House, lernen Syril kennen (der eine CO2-neutrale Weltreise unternimmt) und freuen uns über die vielen Tore beim Eröffnungsspiel der WM.

Wir wollen ans Meer, besser gesagt an die schönen Strände der Halbinsel Guanacaste. Unser Tagesziel Tamarindo erreichen wir am nächsten Tag fix und fertig, da Oli für einmal die Routenplanung vermasselt hat. Mühsam schleppen wir uns rund 15km über unasphaltiertes steiles Gelände hoch und können nicht mal die anschliessende Abfahrt auf der Rumpelpiste geniessen.

Wir bleiben drei Nächte in Tamarindo, verfolgen die WM im TV und lassen die Beine ruhen. Es folgen zwei eher unspektakuläre Fahrten übers Land via Nicoya nach Puntarenas. Die Meerenge nach Puntarenas überqueren wir mit der wohl langsamsten Fähre der Welt. Oli checkt sein GPS und verkündet die Spitzengeschwindigkeit von 5km/h. Die 10km wollen einfach nicht vorbei gehen (Für Mathe-Überdrüssige: Die Fahrt dauerte satte zwei Stunden).

In Puntarenas klappern wir diverse Cabinas ab und finden (nach etwas Verhandlung) eine preiswerte Unterkunft. Wir gehen mit dem Fahrrad einkaufen und lassen das Gepäck in der Unterkunft zurück. Oli kauft sich eine neue Badehose, da die Alte nun definitiv zu gross für seine mittlerweile schlanke Taille ist. Wir schlendern noch ein bisschen rum und freuen uns bereits, am darauffolgenden Tag Alices costa-ricanischen Gastbruder Diego zu treffen, der mit uns ein paar Tage durchs Land reisen wird. Es wird bereits dunkel und fängt an zu regnen, schnell wollen wir in unsere Unterkunft zurück. An der Ecke, an welcher wir unsere Fahrräder geparkt haben, trifft uns dann der Schlag. Ungläubig starrt Alice auf die Lücke im Fahrradständer. Alices Fahrrad ist verschwunden!!! Oli ist kurzzeitig erleichtert, da sein Fahrrad noch am selben Ort steht und blickt kurz darauf ebenfalls fassungslos auf die Lücke im Ständer. Wir suchen umgehend die umliegenden Strassenblocks ab und fragen die Leute in den Shops, ob sie etwas gesehen haben. Leider ohne Erfolg. Auf der Strasse sehen wir zwei Polizisten und erzählen ihnen was passiert ist. Nach vielen Fragen und Papierkram auf dem Polizeiposten verspricht man uns, dass die Bilder der Überwachungskameras sorgfältig überprüft werden. Man sagt uns, die Chance das Fahrrad zu finden, sei sehr gross. Wir bleiben zwar skeptisch, hoffen aber ebenfalls auf ein Happy End. Nach drei Stunden Einzelverhör hält Alice nun endlich einen Polizeirapport in der Hand und wir gehen zurück zur Unterkunft. Wir wissen noch immer nicht so recht wie uns geschehen ist und sind ratlos, was wir nun tun sollen. Hunderte Gedanken schiessen uns durch den Kopf – an Schlaf ist nicht zu denken und so wird es schneller wieder hell als uns lieb ist.

Am nächsten Tag freuen wir uns trotzdem auf das Eintreffen von Diego. Er ist genauso geschockt wie wir und kann es nicht fassen, dass dies ausgerechnet in seinem Land passieren musste. Wir fahren mit dem Auto (und dem übrig gebliebenen Fahrrad) ins Landesinnere nach Monteverde. Die satt grüne Landschaft ist traumhaft, nebelverhangene Wälder und mystische Wolkenbilder bringen uns auf andere Gedanken.

Die nächtliche Wanderung im Dschungel fällt leider kurz nach dem Start wegen eines Gewitters wortwörtlich ins Wasser. Macht nichts, wir hatten trotzdem einen lustigen Abend und machen uns am nächsten Morgen früh erneut auf, um den Nationalpark zu erkunden. Die Landschaft ist einfach nur traumhaft. Eine solche Vielfalt an Pflanzen haben wir noch nie gesehen.

In der Nähe der höchstgelegenen Aussichtsplattform erblicken wir plötzlich einen Kolibri. Erfreut über die in allen Farben glänzenden Federn des Vogels, klickt der Auslöser der Kamera schätzungsweise 1000 mal – der Kolibri lässt sich davon nicht beirren. Ganz oben angekommen lassen wir die Drohne steigen und fliegen die Gegend ab. Ein freundlicher Parkwächter macht uns darauf aufmerksam, dass dies nicht erlaubt ist. Wir entschuldigen uns, freuen uns aber insgeheim, dass die Bilder bereits im Kasten sind.

Nun wird es Zeit nach San Rafeal de Alajuela aufzubrechen. Die Wiedervereinigung von Alices zweiter Familie steht an. Oli ist sprachlos, mit welcher Herzlichkeit er begrüsst wird. So, als kenne man sich schon tausend Jahre. Natürlich werden wir von Alices Gastmutter erstmal reichlich bekocht (wir mussten wohl sehr ausgehungert ausgesehen haben 😉).

Nach ein paar Tagen in San Rafael fahren wir mit Diego und seiner Frau an die Karibiküste nach Playa Cocles. Am Punta Manzanilla lässt es sich herrlich entspannen. Die Nacht wird laut, ein heftiges Gewitter tobt direkt über uns und wir lauschen dem heftigen Regen und Donnern.

Diego fährt uns am nächsten Tag an die Grenze zu Panama, wo wir dann fünf Tage auf Bocas del Torro verbringen.

Kaum zu glauben, aber wir haben nun bereits die zehnte Grenze auf unserer Reise überschritten. Kanada ist in unseren Köpfen schon weit in die Ferne gerückt- trotzdem erinnern wir uns gerne an die ersten Tage unserer Reise zurück. Wohl auch, weil wir damals noch stolze Besitzer von zwei Fahrrädern waren (Anm.d.Red.: Leider haben wir von der Polizei noch nichts gehört). Mittlerweile hat unsere Versicherung (die Mobiliar) den Schadenfall bereits abgewickelt. Schneller als gedacht.

Doch nun zurück zu Panama. Die Inseln von Bocas del Toro liegen vor der Pazifikkünste im Norden von Panama (sechs grössere und etliche kleinere Inseln). Wir quartieren uns in der Bambuda Lodge ein. Schnell wird uns klar, dass dieser Ort etwas Magisches an sich hat. Wir lesen die ausführlich dokumentierte Story wie dieses Hostel entstanden ist, bis wir unser Zimmer beziehen können. Zwei kanadische Weltenbummler lassen alles hinter sich, um an einem damals noch abgelegenen Ort ein Hostel nach Ihren Wünschen aufzuziehen – ganz ohne Erfahrung in der Branche. Dabei stossen sie oft an ihre Grenzen und fragen sich ab und zu, was sie hier eigentlich machen. Lustigerweise, wenn auch in einem kleineren Ausmass, kommt uns dies bekannt vor. Wir sind in den vergangenen Monaten oftmals an unsere Grenzen gestossen. Weniger physisch, sondern psychisch (wo schlafen wir, wo bekommen wir für unsere Mägen einigermassen verträgliches Essen, welche Route fahren wir etc. gehören zu den täglichen Herausforderungen). Wenn die Sonne täglich pünktlich ab 9 Uhr erbarmungslos auf uns runterbrennt, die Landschaft öde oder der Weg steinig ist, fragen wir uns ab und zu, ob es die Strapazen wert sind, wenn wir schon mal ein Jahr lang nichts tun müssen. Die mittlerweile zehn Tage ohne Fahrrad geben uns Zeit darüber nachzudenken und zu überlegen, wie wir unsere Reise fortführen wollen.

Doch zuerst wollen wir unseren Spass auf Bocas del Toro haben – wir unternehmen eine Bootstour, sehen Delfine, entspannen uns an einem einsamen Strand und beobachten Faultiere, die in den Bäumen am rumhängen sind. Das Essen der Bambuda Lodge ist einfach nur köstlich, was nicht zu erwarten war, da die meisten Hostels nicht unbedingt mit einem tollen Restaurant auftrumpfen können. Wir treffen nette Leute, schauen gemeinsam die Fussballspiele und relaxen am Pool.

Nach langen Diskussionen über verschiedene Szenarien entscheiden wir uns, erstmal zurück in die Schweiz zu fliegen. Wir haben lange damit gerungen, sind jedoch zur Ansicht gelangt, dass dies aktuell die beste Möglichkeit ist. Wie es anschliessend weiter gehen soll, wissen wir zur Zeit noch nicht. Wir freuen uns erstmal, unsere Familien und Freunde wiederzusehen und die schweizerischen Annehmlichkeiten zu geniessen.

Nach fünf Tagen Panama fahren wir also zurück nach San Rafael de Alajuela und verbringen nochmals drei Tage bei Alices Gastfamilie. Für den Geschmack von Alices Gastmutter VIEL zu kurz. Nach dreimaliger Anfahrt zum Flughafen verkauft uns Iberia dann freundlicherweise doch noch eine Velo-Kartonschachtel zum „unschlagbaren“ Preis von 30 Euro. Na besten Dank! 😉

Am 2.Juli sind wir dann nach Hause geflogen, Alices Vater Thomas hat uns netterweise am Flughafen abgeholt. Einigermassen froh zu Hause zu sein, haben wir nun die nötige Zeit, uns über unser weiteres Abenteuer Gedanken zu machen.

Es bleibt also weiterhin spannend…

16. August 2018

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