Nach ereignisreichen drei Wochen in Kolumbien sind wir neugierig, was uns Ecuador zu bieten hat. Gleich vorneweg müssen wir euch enttäuschen, dass wir es (bewusst) nicht auf die Galapagos Inseln geschafft haben. Ihr dürft jedoch gespannt sein, was wir sonst so alles erlebt haben.

Oli hat sich schon lange auf Ecuador gefreut, da er nun endlich mit eigenen Augen sehen kann, wo seine Schwester einen Teil ihres Lebens verbracht hat. Wir sind erstaunt, dass der Taxifahrer an der Grenze darauf besteht, dass wir den Sicherheitsgurt anlegen (und es gibt somit auch tatsächlich einen Gurt). Anschliessend geht es mit dem Bus nach Otavalo. Wir schlendern durch den Markt und erfahren, dass es den hiesigen Händlern an Touristen fehlt, da der Konkurrenzkampf mit Quito zugenommen hat. Wir kaufen uns zwei „Alpaca-Pullover“ und essen im tollen Café Cosecha.

Als Reiseprofis wissen wir mittlerweile, dass man die meisten Ausflüge gut und gerne auf eigene Faust meistern kann. Dumm nur, dass wir zur Abwechslung wieder einmal zu wenig Geld bei uns haben. Den Umweg zur Geldmaschine nimmt der Taxifahrer jedoch gerne in Kauf. Am Parkeingang der Cuicocha Lagune angekommen, laufen wir einen Teil des Rundweges entlang des Kratersees und sind ein bisschen enttäuscht, da das Wetter nicht mitspielt. Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben und so warten wir auf die Sonne, die dann tatsächlich noch erscheint und das Wasser tiefblau erscheinen lässt. Noch am Nachmittag fahren wir mit dem Bus nach Quito und quartieren uns im Privatzimmer für 14$ / Nacht ein. Wir haben quasi das Budget-El-Dorado gefunden.

 

Eine weitere Möglichkeit, budgetfreundliche Touren zu unternehmen, sind „Free Walking Tours“. Diese Art von Stadtführungen werden von unterschiedlichsten Menschen durchgeführt (Geschichtstudenten, Künstler, Einheimische etc.). Das tolle daran: Die Führungen sind „gratis“. Das Business lebt jedoch vom Trinkgeld, welches man am Ende der Tour dem Guide überlässt. Positiver Nebeneffekt: die meisten Guides geben sich extrem viel Mühe, sind humorvoll und geben gerne Tipps für weitere Ausflüge, die besten Restaurants oder typische Gerichte, welche man unbedingt probieren sollte.

Leider ist die Wettervorhersage für die nächsten Tage schlecht. Wir entscheiden uns, die geplanten Ausflüge von Quito aus zu verschieben und gehen dafür am nächsten Tag nach „Mitad del Mundo“. Das hätten wir uns aber auch sparen können, wohl bisher die grösste Touristenfalle, in die wir getappt sind. Ironischerweise steht das Monument nicht mal auf dem wirklichen Äquator, sondern rund 400m weiter entfernt. Nicht nur zum Spass, sondern auch der Schweizer Gründlichkeit geschuldet, navigieren wir uns mit unserem GPS Gerät zum richtigen Ort und überqueren den Äquator freudig zu Fuss. Zurück in der Altstadt bestaunen wir die imposanten Kirchen, die vor allem von innen glänzen. Gold, Gold und nochmals Gold. Das schlechte Wetter trinken wir mit einer heissen Schoggi weg und schlendern durch das neuste Einkaufscenter der Stadt. Der Kontrast zwischen Luxus und Armut schlägt uns ein wenig auf den Magen. Uns wird wieder einmal bewusst, wie priviligiert wir aufwuchsen. Draussen auf der Strasse erfreuen wir uns an den schönen traditionellen Kleidern, welche von den indigenen Frauen getragen werden. Die Frauen in Ecuador erscheinen auf den ersten Blick grösser als in Kolumbien oder Guatemala. Schnell kommen wir den feschen Damen mit ihren tollen Frisuren auf die Schliche – Highheels.

Wir freuen uns schon lange, den Vulkan Cotopaxi zu sehen und machen uns am nächsten Morgen mit dem Bus auf nach Latacunga, unserem ersten Stopp auf der Vulkanstrasse. Die Sonne scheint und die zweistündige Busfahrt zur Quilotoa Kraterlagune verstreicht im Fluge. Fünf Minuten vor unserer Ankunft schlägt das Wetter plötzlich um und es beginnt zu regnen und schneien. Die Lagune ist kaum zu sehen und wirklich Lust auf eine Wanderung haben wir bei diesem Wetter auch nicht mehr. Vielleicht kann ja ein gutes Mittagessen Abhilfe schaffen? Fehlanzeige – unglücklicherweise verstehen die Ecuadorianer unter Bandeja Paisa nicht das Gleiche wie die Kolumbianer. Ein wenig beschämt und nicht minder hungrig verlassen wir das Lokal und machen uns auf den Rückweg. Der Tag wird nicht mehr besser, da das von uns angesteuerte Hostel bereits voll ist. So müssen wir mangels Alternativen gleich gegenüber nächtigen. Die Nacht ist eiskalt und das karge und etwas dreckige 6er Zimmer wenig glamourös. Das Frühstück am nächsten Morgen ist mit Abstand das Beste an dieser Unterkunft und wir sind froh, dass uns heute ein Highlight unserer bisherigen Reise bevorsteht. Mit dem Jeep fahren wir zum Cotopaxi Nationalpark und sind bereits beim Parkeingang überwältigt. Die schneeweisse Kuppe des Gipfels glänzt unter der Sonne. Ehrfürchtig stehen wir am Fusse des Berges und zücken unsere Kamera. Anschliessend fahren wir weiter den Berg hoch, bevor wir zu Fuss zum Refugio aufsteigen (4800müm). Der bisher höchste Punkt unserer Reise. Das reicht uns jedoch nicht und wir überzeugen unseren Guide, dass er uns noch bis auf 5000müm begleitet.

Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätten wir uns eine Gipfeltour zugetraut. Am Abend fahren wir weiter nach Alausí und sehen von der Strasse aus den höchsten Berg Ecuadors (Chimorazo). Es ist bereits dunkel, als wir zurück im Hostel ankommen. Wir gehen früh zu Bett und müssen die Dusche leider auf den nächsten Tag verschieben, da das Wasser eiskalt ist. Nach unzähligen Busfahrten wechseln wir unser Transportmittel und fahren mit der Eisenbahn zur Nariz del Diablo. Diese spektakuläre Strecke führt über ZickZack-Wege runter ins Tal und diente früher zur Beförderung von Gütern. Heutzutage kann man in mehreren Tagen von Quito via Riobamba und Alausí nach Guayquil fahren. Die meisten Touristen – so auch wir – befahren jedoch nur das kurze Teilstück von Alausí zur Nariz del Diablo und zurück.

Oli‘s Drohne hat für die Reise leider nur ein Einwegticket gelöst. Kurz nach dem Start macht sich die Drohne selbstständig, fliegt einen weiten Bogen und stürzt dann im gegenüberliegenden Hang ab. Die Such- und Bergungsaktion muss dann nach einer Stunde abgebrochen werden. Stimmungsmässig ist der Tag gelaufen.

Unser Ecuador Aufenthalt endet im südlichen Cuenca, wo wir zwei Nächte verbringen, die Stadt besichtigen und es uns mit Kaffee und Kuchen gut gehen lassen.

Der eher kurze Aufenthalt in Ecuador hat uns sehr gefallen. Die freundlichen Menschen und die eindrucksvolle Natur haben uns begeistert. Hätten wir mehr Zeit gehabt, hätte es noch einiges zu entdecken gegeben. Wer weiss, vielleicht kehren wir einmal zurück und erklimmen den Cotopaxi Gipfel oder tauchen mit den Schildkröten im Meer vor den Galapagosinseln.

21. November 2018