Nachdem wir Antigua aufgrund des Vulkanausbruchs per Bus verlassen hatten, erreichen wir El Tunco in El Salvador mit mehreren Stunden Verspätung. Die geplante Weiterfahrt mit dem Fahrrad müssen wir streichen, da es bereits am Eindunkeln ist. El Tunco bietet keinen besonders schönen Strand – dafür tolle Wellen, auf welchen Surfer aus aller Welt reiten. Weiter südlich in El Cuco übernachten wir hoch oben auf den Klippen. Das Hotel bietet eine spektakuläre Aussicht auf die schönen Strände. Das wars dann aber auch schon – das Dach im Zimmer hält dem heftigen Regen nicht stand, es tropft von der Decke. Wir verteilen unsere Taschen so, dass diese trocken bleiben und verkriechen uns in unser Bett. Wir bleiben zum Glück trocken.

Seit mehreren Tagen diskutieren wir die weitere Reiseroute, da es in Nicaragua seit bald zwei Monaten Massenproteste gibt. Die Nicas sind mit ihrem Präsidenten (Daniel Ortega) und seiner Politik sowie der Machtkonzentration nicht mehr glücklich. Nach Jahren des wirtschaftlichen Aufschwungs stolpert er über eine geplante Rentenreform, die er jedoch inzwischen wieder zurückgezogen hat. Die Demonstranten konnte er damit nicht besänftigen – mittlerweile fordern die Gegner den Rücktritt von Dani und dessen Frau (amtierende Vizepräsidentin). Wir verfolgen die News je näher wir kommen immer genauer und erfahren, dass bereits über 150 Menschen ums Leben gekommen sind. Die gewaltsamen Zusammenstösse von Demonstranten und regierungstreuen Truppen ereignen sich hauptsächlich in den Städten Managua, Granada und Masaya – allesamt Städte, welche auf unserer Reiseroute liegen. Nachdem wir uns über die sozialen Medien mit anderen Radreisenden ausgetauscht haben, entscheiden wir, das Land trotz der aktuellen Lage zu durchfahren. Insbesondere, da die vielen Strassensperren per Bus noch viel schwieriger zu durchqueren scheinen, als mit dem Fahrrad.

Wir planen die Route entsprechend um und entscheiden uns für Strassen und Wege, welche eher durch ländliche Gegenden führen. Auf unserem Weg in die Stadt León wird uns dann das erste Mal doch etwas mulmig, als wir an der ersten Strassensperre unsere Pässe aus den Händen geben müssen. Nachdem die Verwirrung um das Iranvisum von Alice geklärt ist, werden wir von den maskierten Männern freundlich mit „Welcome to Nicaragua“ begrüsst. Wir dürfen durch und die Jungs, welche mit Steinschleudern und mehrheitlich selbstgebastelten Waffen ausgerüstet sind, geben uns Begleitschutz bis zur nächsten Abzweigung.

In León angekommen, beginnen wir zu realisieren, was die aktuelle Lage für den Tourismus in Nicaragua bedeutet. Viele Hotels haben ihre Tore bereits geschlossen, jene, welche noch offen sind, sind praktisch leer. Der Besitzer unseres Hostels ist besorgt, dass er seine Angestellten maximal noch eine Woche lang bezahlen kann, bevor er ebenfalls erste Mitarbeitende entlassen muss. Am nächsten Tag hat Oli Geburtstag. Wir frühstücken in einer französischen Bäckerei (natürlich mit Erdbeertörtchen und Kerzli) und erkunden die Kolonialstadt, welche bei Tageslicht sicher scheint – wir fühlen uns jedenfalls zu keinem Zeitpunkt unwohl. Zur Feier des Tages gönnt sich Oli einen neuen Haarschnitt und beim gemeinsamen Abendessen mit der Hostel Crew lassen wir den Tag gemütlich ausklingen.

Am nächsten Tag geht es früh los. Wir haben drei lange und strenge Touren vor uns. Die erste Etappe verläuft problemlos. Wir finden nach kurzer Zeit und kleineren Strassensperren den Weg aus León raus. Auf dem restlichen Weg ans Ziel gibt es keine unangenehmen Überraschungen. Die Strecke schlängelt sich durch schöne Hügel und saftig grüne Landschaften. Nichts weist darauf hin, dass sich dieses Land im Ausnahmezustand befindet. Auf den letzten Kilometern öffnet Petrus die Himmelsschleuse und wir kommen klitschnass im Hotel an. Wir sind die einzigen Gäste weit und breit. Die innere Anspannung macht sich in der Nacht bemerkbar – wir schlafen unruhig und wachen ständig auf. Am Morgen nehmen wir den 17km langen Aufstieg mit gemischten Gefühlen in Angriff, da wir bereits wissen, dass es auf dieser Strecke einige grössere Strassensperren haben wird. Die Anspannung wird nicht kleiner, als wir nach den ersten 10km von einem Einheimischen angehalten werden, der uns mitteilt, dass an der bevorstehenden Strassensperre zurzeit Kämpfe ausgetragen werden und wir mit Sicherheit ausgeraubt werden würden. Eine Alternativroute gibt es nicht. Als uns mehrere andere Leute zusichern, dass die Strassensperre friedlich sei, wagen wir uns Kilometer um Kilometer weiter vor. Nach weiteren 10km sehen wir bereits von weitem eine Riesenschlange gestrandeter Lastwagen. Wir schlängeln uns durch hunderte von Lastwagen durch, welche teilweise quer zur Strasse stehen, damit keine anderen Fahrzeuge passieren können. Plötzlich bemerkt Oli, dass die Luft im Vorderrad raus ist. Es gibt wohl keinen besseren Ort für die erste Panne auf unserer Reise. Die Boxenstoppzeit war aufgrund der Umstände rekordverdächtig kurz. An der eigentlichen Sperre angekommen, werden wir nach ein paar prüfenden Blicken problemlos durchgewunken.

Eine Stunde später erreichen wir die nächste Strassensperre. Wir sprechen mit Lastwagenfahrern aus verschiedenen Ländern, welche seit Tagen im Land feststecken. Das erklärt auch die nassen Unterhosen, welche über den Rückspiegel zum Trocknen aufgehängt sind. Allgemein scheinen die Truckfahrer die Situation jedoch sehr gelassen zu nehmen. Es wird geduldig gewartet, an der Situation lässt sich eben nichts ändern. Einzelne Fahrer sind gut vorbereitet und überbrücken die Wartezeit in ihren mitgebrachten Hängematten, welche sie unter dem Lastwagen aufhängen. Wir schlängeln uns Lastwagen um Lastwagen – mal auf dem Sattel, mal zu Fuss – weiter nach vorne. Das Mittagessen fällt aufgrund der leeren Läden bescheiden aus. Ein Tankstellen-Hot Dog tut es zur Not. Zu viel mehr reicht es auch nicht, da wir Mühe haben, an Geld zu kommen.

Wir können den Strassensperren jedoch auch etwas Positives abgewinnen. Da pro Stunde nur ca. 15 Lastwagen passieren dürfen, gehört die Strasse praktisch uns. Wir fahren gemütlich nebeneinander auf der Panamericana, generell eine der meistbefahrenen Strassen in Zentralamerika. Wir übernachten rund 60km vor der südlichen Grenze, wieder einmal als einzige Gäste, in einem wunderschönen Parkhotel. Wir bekommen sogar das Frühstück offeriert. Die Strecke bis zur Grenze gefällt uns dann ausserordentlich gut. Die Landschaft ist üppig grün und die Strecke abwechslungsreich. Nach den täglichen Regenschauern trocknen wir uns im Fahrtwind und der prallen Sonne. Wir haben zur Abwechslung genug Geld in der Tasche, um die Grenze ohne Probleme zu passieren. Bienvenido a Costa Rica!

Zwei Tage nachdem wir Nicaragua verlassen haben, gibt es Berichte darüber, dass die Regierung in mehreren Städten durch Flugzeuge giftige Pestizide auf die Menschen sprühen liess (welche zu Erbrechen und Schwindel bei den Demonstranten geführt haben sollen). Eine Menschenrechtsorganisation geht dem Vorwurf derzeit nach. So gesehen sind wir natürlich froh, dass wir das Land kurz vorher verlassen haben. Gleichzeitig verlassen wir Nicaragua mit einem weinenden Auge, da wir gerne mehr von diesem schönen Land gesehen hätten. Wir hoffen, dass sich die Lage bald beruhigt und die Konfliktparteien einen Weg finden, sich zu einigen – es ist den freundlichen Nicas zu wünschen. Ihre Gastfreundschaft und Lebensfreude macht Lust, mehr von diesem traumhaften Land zu sehen. ¡Hasta luego Nicaragua!

28. Juni 2018

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