Auf ein blitzblankes Bad und unsere Kopfkissen haben wir uns nebst unseren Familien und Freunden am meisten gefreut. Die Heimreise war eher unspektakulär. Anscheinend genau gleich wie der Auftritt der CH-Nati im Spiel gegen Schweden. Zuhause angekommen wurden wir dann zuerst einmal kulinarisch verwöhnt (oh, wie haben wir das vermisst). Die nächsten Tage haben wir mit Waschen, Aufräumen, Nichtstun und Freunde treffen verbracht. Was man während eines Heimaturlaubs halt so macht. Die Seele schmerzt noch immer. Jedes Mal von neuem, wenn wir unsere Geschichte zum Velodiebstahl wie ein Mantra runterbeten. Wir sind jedoch fest entschlossen, schon bald wieder in die Pedale zu treten und machen uns auf, ein neues Fahrrad für Alice zu suchen. Zu unserem Erstaunen eine der schwierigeren Aufgaben. Die 2018er Modelle sind bei den Produzenten & Händlern bereits vergriffen, die neuen 2019er Modelle frühestens Ende August lieferbar. Solange wollen wir jedoch nicht warten. Wir sitzen auf glühenden Kohlen und wollen wieder los. Ungewiss, wann wir nun ein neues Fahrrad bekommen, entscheiden wir, unsere Weiterreise ohne Fahrräder zu planen. Die Rucksäcke sind bestellt, der Flug ist gebucht der „Masterplan“ ausgeheckt. Am 22. August geht es weiter. Von Kolumbien, den Anden entlang, immer weiter in Richtung Süden, soweit uns die Füsse tragen.

Bis zu unserer Weiterreise wollen wir jedoch unser Fitnesslevel behalten und erkunden die Schweiz mit Freunden auf Wanderungen und Ausflügen. Noch immer auf der Suche nach einem neuen Fahrrad, landen wir einen Glückstreffer und werden in Ostermundigen fündig. Nach kurzer Besichtigung und Testfahrt wird die Auszahlung der Versicherung reinvestiert und Alice strahlt über beide Ohren. Wir haben noch knapp vier Wochen Zeit und entschliessen uns für eine Tour de Suisse / Tour de France / Giro d‘Italia in abgespeckter Variante. Diesmal mit leichtem Gepäck. Mit nur zwei, respektive drei Taschen machen wir uns am 31. Juli auf in Richtung Biel. Wir schlafen bei einem Warmshower Host und geniessen das für uns zubereitete Abendessen. Olis Familienkrankheit (Migräne) stattet uns einen netten Besuch ab und macht die Weiterfahrt nach Yverdon unmöglich. Am späten Nachmittag geht es endlich wieder und wir nehmen den Zug nach Genf. Den 1. August verbringen wir im Hotel und schlafen uns fit für die nächste Etappe. Wir frühstücken am Ufer des Lac Léman bei herrlichem Wetter und verlassen die Schweiz in Richtung Süden.

In Annecy besichtigen wir die wunderschöne Altstadt, entspannen uns im Stadtpark und fahren anschliessend am rechten Seeufer entlang zum Campingplatz. Wir treffen auf Lewis, einen British Gentleman auf Fahrradreise. Wir vermitteln ihm ein Schlafplatz in Genf bei Anina (Alices Freundin) und schlagen anschliessend unser Zelt mit Blick auf den See auf.

Abgekühlt wird nach einem kurzen Spaziergang im smaragdgrünen See. Rund um den See sind tolle Radwege angelegt. Wir merken schnell, dass wir im Velo Eldorado angekommen sind. Den ersten Pass meistern wir mit Bravour (wir sind ja nun beinahe Profis) und geniessen die Abfahrt ins Valle d‘Isère. Die Sonne brennt auf uns nieder und wir versuchen, vor der Mittagssonne am Ziel anzukommen. Am Lac Carouge bauen wir unser Zelt neben den Wagenburgen der Holländer auf. Im Vergleich sieht unser Zelt wie die Hundehütte unserer Nachbarn aus. Freundlich werden wir begrüsst und gefragt ob wir gerne Pancakes haben – natürlich nicht 😉 Wir verbringen einen gemütlichen Abend am See vor unserem Zelt und geniessen Pancakes.

Auf der Fahrt nach Grenoble nehmen wir es gemütlich. Die Strecke ist flach und wenig anspruchsvoll. Wir übernachten in einem preiswerten Hotel und erkunden die Stadt. Am Abend steigt die Vorfreude auf die kommenden Etappen, zumidest bei Oli. Alice ist noch ein bisschen argwöhnisch betreffend den von Oli geplanten Tagestouren. Gutgelaunt steigen wir auf die Sättel, frühstücken standesgemäss an einer Tankstelle und fahren in Richtung Dauphiné. Der Anstieg nach Bourg d‘Oisans ist moderat und so kommen wir früher als geplant auf dem Campingplatz an. Diesmal bleiben wir zwei Nächte. Wir haben Grosses vor uns und stärken uns mit Spaghetti Bolognese. Der frühe Vogel fängt ja bekanntlich den Wurm – daher machen wir uns um 7:30 Uhr auf, um den Anstieg zur Alpe d‘Huez in Angriff zu nehmen. Wir gönnen uns zur Abwechslung eine Fahrt ohne Gepäck. Die legendären 21 Kurven ziehen sich in die Länge, sind jedoch traumhaft zu fahren und wir sind zur Zeit so gut wie alleine auf der Piste. Nur selten werden wir von Wadenmuskeln-bepackten Halbprofis überholt und wir finden unseren Rhythmus schnell. 

Hier noch etwas für unsere Historiker und Radsportfans: Seit 1997 wurde der Rekord vom damaligen Superstar Marco Pantani nicht mehr gebrochen. In unglaublichen 37 Minuten raste der Bergfloh die 21 Kurven hinauf. Wir sind uns nicht ganz einig, ob der Rekord nicht mehr gebrochen wurde, weil die Profis nicht mehr an das damalige Niveau herankommen oder ob die Testlabore zurzeit das Katz und Mausspiel besser spielen.

Jedenfalls verpassen wir diesen Rekord mit einer Minute Rückstand nur knapp. An dieser Stelle verschweigen wir jetzt mal, dass wir die 38min gebraucht haben um gemütlich wieder ins Tal zu fahren.

Naja, 1h45min haben wir für unseren Aufstieg über 13km und 1100 Höhenmeter gebraucht. Ganz passabel; und hätten wir vorher gewusst, wie der Aufstieg sein würde, hätten wir unsere Kräfte nicht so sehr dosiert. Das nächste Mal peilen wir die 75-80min Marke an.

Glückselig fahren wir zurück auf den Campingplatz, wo uns unsere Nachbarn (diesmal eine nette Familie aus Grossbritanien) zwischenzeitlich Ihre Campingstühle ausleihen, damit wir nicht auf dem Boden sitzen müssen.

Am Tag darauf gönnen wir uns eine kürzere Etappe mit weniger Höhenmetern und fahren den ersten Teil des Col de Lautaret bis ins Bergdorf La Grave – La Meije. Was für ein herrlicher Ausblick von unserem Zelt auf die umliegenden Berge. Zur Belohnung für den gestrigen Tag fahren wir mit der Gondelbahn auf den Gipfel La Meije (3211 müM). Der Ausblick ist atemberaubend und der Gletscher faszinierend (wenn auch über die letzten Jahrzehnte arg von der Sonne in Mitleidenschaft gezogen), die Pommes schmecken ebenfalls.

Wir kommen der italienischen Grenze immer näher, werden zuerst jedoch vom Col de Lautaret nochmals gefordert. Die Strasse hoch auf den Pass ist super und (wir können es nur wiederholen) die Landschaft einfach nur traumhaft. Auf der Passhöhe füllen wir unseren Zuckerpegel mit Coca Cola und Pain au Chocolat.

Den anschliessenden 30km Downhill nach Briançon nehmen wir dankend an. Die Stadt war bereits im Mittelalter ein strategisch wichtiger Punkt, denn sie verbindet das angrenzende mittlere Rhonetal mit der italienischen Poebene. Dementsprechend gleicht die Altstadt einer Festung, wird mittlerweile jedoch für zahlreiche Souvenirshops, Schnickschnackläden und überteuerte Restaurants zweckentfremdet. Wir fahren am oberen Ende der Stadt raus in Richtung Italien, übernachten in La Vachette und quälen uns am nächsten Morgen den Col de Montgenèvre hinauf. Es wird kühler und auf der Passhöhe angekommen fängt es an zu regnen (das erste Mal auf unserer Tour). Schnell rüber nach Bella Italia. Und tatsächlich, nach einer kurzen Abfahrt und am „Grenzposten“ vorbei, scheint in Italien die Sonne für uns. Unglaubliche 41km können wir bis nach Susa runterbrettern. Nach vielen Aufstiegen ernten wir nun die Früchte unserer harten Arbeit. Frankreich war super zu uns, aber insgeheim haben wir uns schon lange auf das Essen und den Espresso in Italien gefreut. In Susa geniessen wir unser Mittagessen und entscheiden spontan, nach den bisherigen 54km, die restlichen 57km nach Turin anzuhängen. Es rollt, wie man so schön sagt. Einmal quer durch Turin zu unserer Unterkunft ist dann hingegen ziemlich stressig. Wir haben bereits gemerkt, dass uns die Autofahrer in Italien nicht sehr wohl gesonnen sind. Vor, im oder gleich bei der Ausfahrt des Kreisels überholen scheint normal zu sein. Wir finden es nicht so toll und müssen uns nun vor allem auf den Verkehr konzentrieren.

In Turin bleiben wir zwei Nächte. Die Stadt gefällt uns sehr, hat viel zu bieten und is(s)t kulinarisch auf einem Top Niveau. Einziger Wermutstropfen: Es hängen zu viele weiss-schwarze Fahnen und Shirts vom lokalen Fussballclub herum. Oli drückt ein Auge zu und unterdrückt seine pyromanischen Absichten.

Via Novara und Oleggio fahren wir am folgenden Tag ans südliche Ende des Lago Maggiore nach Dormelletto.

Campen am See hört sich erstmal gut an. Erneut stellen wir unser Zelt auf und fahren anschliessend nach Arona. Es hat leider zu viele Restaurants und wir können uns fast nicht entscheiden. Auf der Suche nach dem Besten vergessen wir etwas die Zeit und als wir endlich Entschlossenheit an den Tag legen, hat die Küche bereits den Mittagsbetrieb eingestellt – Amateure (also wir, nicht die Köche). Wir begnügen uns mit einem Panino und fahren anschliessend zurück zum Campingplatz. Morgen geht es bereits zurück in die Schweiz und wir freuen uns auf die Tremola am Gotthardpass. 

Der prasselnde Regen weckt uns früh. Nicht wirklich lustvoll packen wir unsere Taschen im Zelt und wollen diese schnellstmöglich im Restaurant ins Trockene bringen. Oli fällt auf, dass die Fahrräder, welche wir neben unserem Zelt abgeschlossen an den Baum angelehnt haben, nicht mehr da sind. Er denkt sicht, dass Alice die Fahrräder wohl bereits nach vorne gebracht hat. Dem ist jedoch nicht so, und so kommen wir zum Schluss, dass die netten Mitarbeiter vom Camping diese in der Nacht ins Trockene gebracht haben müssen (haben wir ja auf unserer Reise schon öfters erlebt). Als uns der Campingchef Roby jedoch mitteilt, dass sie nichts mit dem Verschwinden unserer Bikes zu tun haben, geraten wir in Panik. Wir suchen im strömenden Regen den Campingplatz ab. Nichts, nichts und wieder nichts!!! Wir sind schockiert und können es nicht fassen. Unsere Fahrräder sind weg!!! Schon wieder! Eine innerer Leere macht sich breit und wir starren uns fassungslos an. Das darf nicht wahr sein. Konsterniert sitzen wir mit unseren Taschen im Restaurant. Ein Gast, welcher mitbekommen hat, was passiert ist, spendiert uns netterweise das Frühstück. Roby ruft die Carabinieri an und organisiert uns einen Chauffeur. Auf dem Weg zur Polizeiwache suchen wir noch die öffentlichen Strandbäder ab, in der Hoffnung, dass sich jemand einen Scherz erlaubt hat. Leider nein. Auf der Polizeiwache werden wir bereits erwartet und wieder einmal müssen wir Anzeige erstatten. Wir fühlen uns wie in einem schlechten Film. Um unseren Frust abzubauen laufen wir die 4km zum Camping im strömenden Regen zurück. Roby wartet bereits auf uns und offeriert uns Pizza und Getränke. Man merkt wie leid es ihm tut und er alles dafür tun würde unsere Velos wiederzufinden. Er bietet uns als Trost sogar an, auf seine Kosten ein paar Tage bei ihm im Bungalow zu bleiben. Wir sind wirklich dankbar und auch gerührt über das Angebot. Oli möchte jedoch nur noch nach Hause, sein Frustrationslevel ist unterdessen auf unendlich+1. Wir werden noch an den Bahnhof von Arona chauffiert, steigen in den Zug nach Domodossola und fahren via Brig und Bern nach Zofingen, wo uns Fränzi freundlicherweise mit dem Auto abholt (Fahrradtaschen ohne Fahrrad sind leider nicht sehr praktisch). Wie ein Zugpassagier in Brig bemerkt hat, war der erneute Fahrradiebstahl, „ein echter Stimmungskiller“. Wir sind untröstlich, da die letzten zwei Wochen einfach nur perfekt waren. In Kölliken angekommen, finden wir erneut ein liebevoll hergerichtetes Zuhause für die nächsten Tage.

Der erneute Gang zur Versicherung schlägt uns auf den Magen. Wir werden jedoch wie gewohnt freundlich und verständnisvoll empfangen. Die Schadenregulierung dauert nur wenige Minuten. Ganz im Zeichen von „Liebe Mobiliar…“ schildern wir was passiert ist und sind erleichtert, dass wir nach wie vor gut versichert bleiben.

Trotz des schlechten Endes ist für uns klar, dass wir nicht das letzte Mal mit dem Fahrrad durch Europa gekurvt sind. Insbesondere Frankreich wird noch lange in Erinnerung bleiben und hat noch so einige unbezwungene Pässe zu bieten. Adieu e ci vediamo!

3. September 2018

Comments

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